Cinélog - Ladri di..

Cinélog - Ladri di biciclette (Fahrraddiebe)

Diesmal zeigt uns der italienische Neorealismus, wie existenziell wichtig die Größe kleiner Geschichten ist. von Theresa Pleskotova (01.11.2011)
Titelbild

Wir hängen an den Fersen der Arbeiter des Nachkriegselends. Sie zerren uns über den Sandplatz durch Vororte, durch ihr Leben. Einer von ihnen zeigt uns sein Schicksal. Antonio (Lamberto Maggiorani) sucht, wie alle anderen, Arbeit, um sich und seine Familie am Leben zu erhalten. Er bekommt ein Angebot als Plakateur. Die Bedingung ist auf dem Fahrrad mobil zu sein. Wenn es aber kaum Brot zum Essen gibt, wozu sollte man dann ein Fahrrad besitzen? Also mEigenes Bild 2 (gross)uss die Bettwäsche verpfändet und das Geld ins Zweirad, in dem die ganze Hoffnung der Familie auf ein besseres Leben steckt, aufgelöst werden. Die  absolute Armut nagt den Vororten bereits an den Zehen und Antonio leimt voller Elan Plakate an Roms Wände. Aus demselben Elend heraus versuchen sich andere Kriegsleidende an Fahrradgeschäften und so kommt es, wie der Titel schon verrät und worauf man mit Bauchschmerzen wartet, dass Antonios Fahrrad gestohlen wird. Prolog.
Ab jetzt rennen wir Antonio hinterher und versuchen verzweifelt die Hoffnung der Familie zurückzuholen. Wir durchsuchen Märkte, laufen durch Gassen, lehnen erschöpft an Hauswänden und bemerken immer mehr, dass es nicht einfach nur um ein Fahrrad geht. Der Verlust der Hoffnung, ihr Mangel, lässt uns nach und nach realisieren, dass wir in der kurzen Zeit keinen Schritt vorangekommen sind. Die Armut hat sich bereits in unseren großen Zeh festgebissen und hat verdammt spitze Zähne. Fast wie Widerhaken. Doch da ist dieser kleine Junge (Enzo Staiola) an unserer Seite. Antonios Sohn. Ein Blick auf ihn verrät uns, dass wir noch nicht müde sind und wir laufen wieder los. Aber nach und nach geht uns die Luft aus und die Menschen werden zu Wölfen, weil sie genauso wenig besitzen wie wir. Doch wartet… da lehnt doch verlassen an einer Wand ein Eigenes Bild 3 (gross)fahrtüchtiges Gestell. Man müsste nur kurz… Schreie, Schritte, Hände. Und da steht wieder der kleine Junge. Er schaut uns in die Augen und sagt: Lass uns nach Hause gehen. Es gibt auch einen anderen Weg.
Italien gebärt in den 50er Jahren eine ganze Reihe schwarz-weißer Streifen, die nachträglich als die Schaffenszeit der Neorealisten herausstechen. Eingeleitet mit Viscontis „Ossessione“ und zum Durchbruch gebracht mit Rossellinis „Roma, città aperta“ begreifen die Neorealisten die Objekte der Welt als autonom, für sich sprechend. Jeder kleinste Augenblick besitzt dabei die Größe der allumfassenden Wirklichkeit. Jedes scheinbar unbedeutende Einzelschicksal repräsentiert das Schicksal aller. Fragmentarisch werden Antihelden (insbesondere Laienschauspieler) auf Originalschauplätzen in alltägliche Überlebensszenen verwickelt, die von bestürzender Wahrhaftigkeit zeugen. Es war lange Zeit unwichtig, was mit dem Einzelnen geschieht. Das Überleben des Staates zog Schluchten auf, denen die Masse nicht entkommen konnten. Als das Schlimmste vorbei war, erkannte man aber, dass die einzelnen Lebewesen, die diese Masse zusammenhalten, alles in sich tragen, was an Echtheit die menschliche Existenz jemals vorzuweisen hatte. Und so begann man diese kleinen Geschichten für alle zu erzählen.

Ebenfalls in der Reihe erschienen…

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    yunni yunni1  am 08.02.2012 um 04:27 Uhr
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